Wen es betrifft...
von Manfred Ebeling
1.
Im Schlaf
Im Schlafe
gibt´s der Herr den Seinen !
Doch manchmal
- schlafend -
frag ich mich:
bin ich, oh Herr,
denn einer von den Deinen ?
2.
Torheit
So vieles
geht mich
wenn ich es bedenke
auf dieser Welt
doch gar nichts an
warum nur lass
aus jeder Senke
was immer kommt
ich dumm und schutzlos wie ein Kind
an mich heran
3.
Fortschritt
Es geht der Dichter mit der Zeit
und braucht auf Reisen kein Papier
hält stets sein Diktaphon bereit
verewigt, was er denkt, jetzt hier
Kann dem Gerät stets offenbaren
die Fortentwicklung seines Denkens
zum Beispiel auch beim Autofahren
nutzt er durchaus die Zeit des Lenkens
Löst die Probleme dieser Welt
und spricht die Lösung gleich aufs Band
( - die Frage bleibt hier ungestellt
warum kein andrer sie je fand )
Und spricht die kühnsten der Gedanken
mit Kraft und voller Energie
- da fängt die Drehzahl an zu schwanken
und alle ... ist die Batterie
Nun ist bei 140 Sachen
und den Gedanken, den geballten
hier nicht viel anderes zu machen
als der Versuch, sie festzuhalten
Er fährt noch viele hundert Kilometer,
von den Gedanken, groß und frei
(sie niederschreiben wollt er später)
bleibt nur ein kümmerlicher Brei
Die Menschheit scheitert wieder mal
erfährt, was sie gerettet, nie
verbleibt in ihrem Jammertal
infolge leerer Batterie
4.
Relativ-Glück
Es zähln doch nur die schönen Stunden
da redet nur, soviel ihr wollt
- wer davon viele hat gefunden
der hat getan, was er gesollt !
Und schön - das lerne schon als Kind ! -
ist nicht an äußres Glück zu binden,
die Stunden sind so wie sie sind
- Du mußt sie nur als schön empfinden !
5.
Reife
Am Anfang sieht er sich ganz groß,
als Held
- egal, in welcher Disziplin
er schwimmt im Ruhm
und schwimmt im Geld
und alle Welt bewundert ihn
Die Zukunft wird er toll gestalten...!!
Nur, freilich, das genaue "Wo" und "Wie"
- sich damit jetzt schon aufzuhalten
dazu ist es noch viel zu früh
Doch dann, mit zwanzig oder dreißig
da kennt der Kämpfer dann sein Ziel
jetzt heißt es vorwärtsstreben, fleißig
von Sieg zu Sieg, von Spiel zu Spiel
...und ist, mit fünfzig, sechzig Jahren
von Held und Reichtum weit entfernt !
Dafür ist er als Mensch erfahren
und hat vom Leben viel gelernt
Und dennoch:
könnt er's nochmal leben
würd er - wie einst - nach Sternen greifen!
Nun stellt er fest: so ist das eben,
es kann der Mensch - wenn überhaupt -
nur langsam reifen
6.
Das Wesen-tliche
So stehts in den Naturgesetzen:
leicht ist der Körper zu ersetzen!
Als unersetzlich weist sich meist
der Kopf, das Wesen und der Geist
Drum sollen Kopf und Geist sich finden
- und darin sollt ihr euch verbinden!
( Das Fleisch !
...hat immer sich gefunden,
zumeist ganz ohne Nachhilf-stunden! )
7.
Zeit
Es wärn -
die welken Blumen gern
so schön
wie ihre jüngren Schwestern
Wann wer´n -
sie endlich mal es lern´ :
daß heut ist heut
und gestern gestern!
8.
Hektik
Herr K. war immer in Eile
und erwartet den Aufzug
nun schon eine Weile
"Auf gar keinen Fall
kann ich länger hier stehn -
ich werde nun andre Wege gehn !"
So sprach er in Rage
und sprang unverzüglich
aus der zehnten Etage
9.
Lebens-sinn
Zum Metzger kam ein kluges Schwein
das wollte gern geschlachtet sein.
Es sprach:
bisher such ich vergebens
den Zweck
und auch den Sinn des Lebens
Und erst
wenn ich geschlachtet bin
bekommt mein Leben einen Sinn
10.
Wanderer
Du warst
ein wirklich liebes Kind
drum liebte ich Dich gestern
doch heute ist ein andrer Tag
heut lieb' ich Deine Schwestern
11.
Ewigkeit
Was hab ich, Tod, von Dir zu fürchten
war ich doch schon so lange Dein
nun, wenn ich also wiederkomme
wird's anders nicht als früher sein
Nichts fehlte mir, v o r meinem Leben,
ich kannte nicht einmal die Zeit -
dann kam die Wärme und das Licht
und unterbrach die Ewigkeit
Dann kamen Freuden, kamen Sorgen
ein ganzes Leben - unten, oben
nun, gegen Ende, stell ich fest
Es hat sich alles aufgehoben
Was ich gewann hab ich verloren
und was mir lieb - war mir genommen
Nun geh ich also wie ich kam
würd trotzdem gern....
nocheinmal kommen !
12.
Irrtum
Sie neigen
im Falle von Liebe
zu der Hoffnung, daß alles so bliebe
doch nach kaum einem Jahr
da wird ihnen klar
sie gehorchten doch nur
ihrem Triebe
13.
Alltag
Die Liebe
war aufeinmal weg
wo war sie nur geblieben ?
erst gestern war sie doch noch da
wir wollten uns doch
ewig lieben
Du sagtest mir
ich trüg die Schuld
und ich sag Dir: die Schuld trägst Du
noch gestern
liebten wir uns heiß -
doch heute
hat die Liebe zu
14.
Phlegma
Ich bin doch nicht Napoleon
will keinen Feind besiegen
der liebe Gott
der macht das schon
und ich
ich bleib noch etwas liegen
15.
Kreatur
Es hat die Fliege auf der Nase
mir meinen heilgen Schlaf zerstört !
Das find ich reichlich unerhört
jetzt sitzt sie auf der Blumenvase
Dann macht sie den erhofften Fehler
und fliegt zum Tisch
ich greif zur Zeitung, daß ich sie erschlage
- die gottverdammte Fliegenplage ! -
und schleich mich an
damit ich sie erwisch
Indes,
es hat das kleine Tierlein doch
der großen Welt
nicht mehr, als daß es lebt, verschuldet !
Und daß es krabbelt...
jetzt vom Tisch hinauf die weiße Wand
hat wirklich es
damit den Tod verdient
durch meine Hand ?
Erhofft nicht jede Kreatur
daß man sie duldet
16.
Krankheit
Es kann
die Schönheit der Natur
den dicken Sorgenmantel nicht durchdringen
Es kann
die Seele nicht
so, wie sie lebenslang es tat
sich sorglos in den Himmel schwingen
sie hört nicht mehr
die Vögel singen
Sie liegt
und weint
und weiß sich keinen Rat
Die Seele sucht
nach ihren Flügeln,
dem kranken Körper,
seinen Leiden zu entgehn
Die Seele will
die Welt von oben sehn !
Und scheitert doch
schon an den kleinsten Hügeln
17.
Mutteraugen
Ich kann es nicht genau beschreiben
was ich in Deinen Augen sah
Doch Not scheint Dich umherzutreiben
Du schienst mir oft den Tränen nah
Jedoch, Du sagst, es geht Dir gut
Nichts ist, das den Erfolg Dir bricht
Und ich bewunder Deinen Mut
- jedoch, verzeih, ich glaub Dir nicht
Du wiederholst es nocheinmal
daß nichts Dein Wohlergehen mindert
- auf Dir ruht seltsam unbekannte Qual
ich hätte sie so gern gelindert
Du gibst Dich froh und aufgeheitert
sprichst von Erfolgen, Zug um Zug
- welch große Hoffnung ist gescheitert ? -
mein Kind, Du lügst nicht gut genug
Zu klar die Sprache Deiner Augen
sie macht aus Deinen Worten Lügen
wozu solln Mutteraugen taugen
wenn man sie könnt so leicht betrügen
18.
Looser
Nun bin ich also doch gestorben
- wie konnte mein Tod
nur überhaupt kommen ?
Ich hatte um ewiges Leben
mich doch beworben
und gedacht
meine Bewerbung sei angenommen
Der Tod und das Grab
sie kamen verfrüht
nun soll
in der Erde ich einfach verwesen
hab doch sosehr
mich um ewiges Leben bemüht
bin wohl auch hier
nicht erfolgreich gewesen
19.
Brotlose Kunst
Es singt der Vogel hoch im Baum
Die Vöglin sagt: man glaubt es kaum !
- anstatt hier dumm herumzusingen
soll er uns lieber Nahrung bringen !
20.
Sie
- an Ihn
Mein Herz bleibt kalt wenn ich Dich küsse
das hat es früher nie gegeben
auch, daß ich Dich nicht mehr vermisse
- heut gönn' ich Dir Dein freies Leben
In meinem Haus, in meinem Herzen
da warst Du immer nur als Gast
da brannten für Dich viele Kerzen
die Du niemals gesehen hast
Du wirst wohl immer reisen müssen
wir werden beide alt und älter
ich werde, wenn Du kommst, Dich küssen
das Herz bleibt dabei immer kälter
Das Leben verliert sich im Abendrot
vorbei dann, alle gespielten Rollen
irgendwann eines Tages,
da sind wir dann tot -
wir hätten die Liebe
probieren sollen !
Im Osten geht wieder die Sonne auf
mit ihr
neue Hoffnung auf „wahre Liebe“
dagegen
spricht leider der Lebenslauf
vielmehr
spricht dafür, daß alles so bliebe
21.
Alters-Vorsorge
Was bleibt mir denn von meinem Leben
wenn mein Körper nicht mehr schön
ich muß dem Kopfe Inhalt geben
um diese Zeit zu überstehn
Heut kann ich von den Zinsen leben
ich bin noch jung, die Hüften schmal
doch das wird sich im Alter geben
dann lebe ich vom Kapital
Alle Gedichte © 2004 Manfred Ebeling - E-Mail: Manfred-Ebeling@web.de
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